DAS FARBVERWALTUNGSSYSTEM

Die 74 Karat-Druckmaschine hat keine Farbschrauben, d.h. der Bedienereinsatz zur Anpassung der Farbe ist nicht mehr erforderlich. Somit wird der Proof zu einer Angelegenheit zwischen Druckeinkäufer und Drucker. Die Druckmaschine muss in der Lage sein, dem Proof - und somit den Erwartungen des Kunden zu entsprechen, ohne dass weitere Einstellungen erforderlich sind. In diesem Zusammenhang wird das Farbverwaltungssystem (Color Management System, CMS) zu einem entscheidenden Bestandteil der 74 Karat-Druckmaschine und ihrem Workflow.

Sehen wir uns doch zunächst einmal die traditionelle Methode der Farbverwaltung auf Druckmaschinen an:

Die traditionelle Methode zum Proofabgleich
Bisher lag die Manipulation der Farbdaten zwecks Erreichen der gewünschten Ergebnisse in der Hand des Farbscanner- Bedieners.

Farbmanipulationen waren nach dem Scannen möglich, jedoch waren diese Vorgänge recht langsam, nur be- grenzt effizient und ungenau. Die Farbreproduktion fand auf der Druckmaschine statt, nachdem alle Druckvorbereitungen kalibriert wurden, um mit einer spezifischen Kombination von Druckmaschine/ Papier/Farbe die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Die erforderlichen Anpassungen auf einer traditionellen Druckmaschine zwischen den einzelnen Jobs einer Einrichtung betrafen das Register der Platten und die Anpassung des Farbflusses, um Farbaufnahme zur Deckung zu erhalten. Jede spezifische CMYK-Kombination sollte theoretisch dieselbe Farbe auf dem Druckbogen produzieren, solange die Variablen Druckmaschine / Papier/Farbe konstant waren. Maximale Effizienz konnte nur erzielt werden, wenn der fertige Druckbogen dem Proof entsprach.

"Austricksen des Systems"
Einer der Vorteile der konventionellen Offset-Lithografie ist die M˛glichkeit, das System "auszutricksen", um die gewünschte Farbe zu erhalten. Durch die selektive Anpassung des Farbflusses in den Walzenbereichen k˛nnen mit denselben CMYK- Punktbereichswerten auf der Platte verschiedene Farbvarianten produziert werden. Solange der Arbeitsablauf von der Farbseparation über die Plattenherstellung bis zur Druckmaschine zahlreiche unkontrollierbare Variablen enthielt, war es absolut notwendig, Farben auf der Druckmaschine anpassen zu können, auch wenn der Ablauf uneffizient und manchmal auch erfolglos war. Die Entwicklungen in der digitalen Druckvorstufe und die Verbesserungen der Druckmaschinensteuerung haben die Entwicklung eines vorhersehbaren, effizienten Workflows mit konstanten, einheitlichen Druckmaschinenbedingungen ermöglicht.

Konstant und vorhersehbar
Die Farbraumdefinitionen variieren nicht nur zwischen den einzelnen Geräten, sondern auch zwischen Druckmaschinen, Papierarten, Farben und Belichtungsparametern wie Punktform, Rasterwinkel und Rasterweite. Die 74 Karat-Druckmaschine bietet konstante Druckmaschinenbedingungen dank eines Farbsystems ohne Farbschrauben, das 74 KARAT-UMGEBUNG insbesondere für beständige und einheitliche Farbdichten auf dem Druckbogen sorgt. Die grosse Formwalze wird bei jeder Umdrehung mit einer gleichmässigen Schicht Farbe aufgefüllt. Bei der Maschineneinrichtung wird die 74 Karat schnell und präzise mit dem Proof und/oder einem Referenzwert wie Euroscale, Cromalin oder SWOP abgeglichen.

Farbverantwortung in der Druckvorstufe.
Die Verantwortung für die Farbe auf der 74 Karat-Druckmaschine liegt in der Druckvorstufe, wo der Proof erstellt wird, auf den die Druckmaschine abgeglichen werden muss. Um dies zu ermöglichen, müssen Farbprofile der Druckmaschine und des Proofgeräts erstellt und aufeinander abgestimmt werden. Nach der Ersteinstellung mus dafür gesorgt werden, dass Proofgerät und Druckmaschine jederzeit kalibriert und konstant sind. Das CMS-System erstellt ICC-Profile, d.h. Standardtabellen, die Farbräume mit verschiedenen Geräten verknüpfen.


Basierend auf diesen Messwerten erstellt das CMS-System Datenbanken mit den Profilen für bestimmte Geräte, Papierarten, Farbtypen und sonstige Variablen.

Immanente Farbwiedergabe
Die Profilerstellung ist einer der wichtigsten Vorgänge bei Farbumwandlungen. Vor der Entwicklung der Profile muss das Druck- bzw. Proofsystem zunächst optimiert und stabilisiert werden. Anschliessend wird entweder ein Testformular mit spezifischen CMYK- Werten in der digitalen Datei ausgedruckt oder ein Standard-Durchsichtsbild gescannt. Die Farbfelder des Testformulars werden von einem Spektrophotometer gelesen, um für ausgewählte Punkte in einem bestimmten System eine Beziehung zwischen CMYK- Farbräumen (bei Druckern und Proofgeräten) bzw. RGB-Farbräumen (bei Scannern) und CIELAB, dem unabh•ngigen 3D-Farbraum, herzustellen. Farbprofile enthalten Tabellen mit entsprechenden Nummern zwischen CIELAB (L*a*b*) und CMYK für ein bestimmtes Ein- oder Ausgabesystem. Der Farbabgleich erfolgt über die Interpolation zwischen Messwerten innerhalb eines Profils und die Verbindung eines Profils mit einem anderen - die mathematische Berechnung erfolgt automatisch im System.

Datenbankgesteuertes CMS-System
Für jede Kombination von Druckmaschine, Papier und Farbe gibt es einen entsprechenden Satz Mengenparameter. Wie die Farbkonvertierungen hängen auch die Druckmaschineneinstellungen von diesen Parametern ab. Für den Drucklauf müssen die Einstellungen für Einzug, Ausgabe, Druck und Geschwindigkeit entsprechend angepasst werden. Identifikationsdaten wie Farbprofile, Farbkonvertierungstabellen und Parameter für Druckmaschine/Papier/ Farbe werden in Datenbank-Bibliotheken in der 74 Karat-Druckmaschine aufbewahrt.

Interessant für den Kunden.
Der subjektive Farbabgleich und die Farbfreigabe durch den Kunden beginnt und endet im Proof-Stadium. Änderungen können durch die Bearbeitung der Datei (lokale Korrekturen, in der Regel vom Designer) oder durch die Bearbeitung des ICC-Profils (in der Regel vom Bediener) durchgeführt werden.

Vom Kunsthandwerk zur Produktion.
Durch den Einsatz der fortschrittlichen Farbverwaltung erzielt das Farbsystem der 74 Karat-Druckmaschine ohne Farbschrauben gleich bei den ersten Druckbögen eine Farbqualität, die mit hoher Sicher- heit vorhersehbar ist. Unsicheres Raten geh˛rt der Vergangenheit an, und aufgrund der Auto- mation ist kein Fachwissen mehr erforderlich. Die Farbe wird nicht auf der Druckmaschine "erfunden", sondern mit wissenschaftlicher Präzision und hoher Fidelität in beständiger Weise reproduziert. Insofern kann man sagen, dass sich mit der 74 Karat-Druckmaschine der Druck vom Kunsthandwerk zur Produktion entwickelt hat.


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